Anleitung
In EduClock gibt es keine Figur, die bei jedem Tipp Applaus spendet, keine Levels, keine Sammelsticker. Der Bildschirm ist bewusst schlicht – denn der beste Unterricht ist die Stimme der Erwachsenen, die daneben sitzen.
Diese Anleitung versteht sich als kleines Drehbuch für eure gemeinsame Zeit. Ihr müsst die 7 Schritte nicht auf einmal durchgehen. Sucht in Ruhe den Punkt, der gerade zu eurem Kind passt.
INDEX – 7 Schritte
Einstellung einfach × Badge × klare Farben
Der Randring mit den Minutenzahlen wird ausgeblendet; übrig bleiben nur die Zahlen im Inneren – die schlichteste Form dieser Uhr. Nicht gleich zu Beginn alles auf einmal zeigen – das ist vielleicht die wichtigste Regel beim Umgang mit dieser App.
In dieser Phase muss niemand „Wie spät ist es?“ erklären. Ein rundes, buntes Etwas, das sich langsam bewegt, ist einfach Teil des Alltags. Mehr braucht es nicht. Wie bei der Wanduhr, auf die ein Kind erst nach einem Jahr von selbst zeigt, darf auch hier die Zeit des reinen „Vertrautmachens“ ganz bewusst Platz bekommen.
Gespräch zwischen Eltern und Kind
„Schau, jetzt ist es blau.“
„Blau!“
„Richtig, blau.“
Kurz gesagt: Die Eltern reden zuerst. Keine Kontrollfragen. Richtige Antworten müssen jetzt noch gar nicht sein.
Einstellung einfach × Badge (Blick auf die Farbe beim kleinen Zeiger)
Erwachsene glauben, sie lesen den großen und den kleinen Zeiger gleichzeitig. In Wahrheit schnappen sie zuerst am kleinen Zeiger die „ungefähre Stunde“ auf und ergänzen den Rest erst danach. Der kleine Zeiger kommt immer zuerst.
Genau so machen wir es auch mit dem Kind. Thema ist allein die Farbe, auf die der kleine Zeiger zeigt – und die Zahl ganz in der Nähe. „Genau auf die Minute“ zielen wir noch nicht an, sondern auf „so ungefähr“. Selbst im Erwachsenenalltag entscheidet fast immer das „ungefähr“ darüber, ob wir pünktlich sind.
Gespräch zwischen Eltern und Kind
„Der kleine Zeiger – auf welcher Farbe ist er?“
„Gelb!“
„Gelb ist… bei der 2. Also ist es so ungefähr 2 Uhr.“
Kurz gesagt: Statt das Kind mit dem Finger die Zahlen zählen zu lassen, lieber die Farbe benennen lassen – das geht viel schneller. Sind die Farben sitzend, kommt als Nächstes dazu: „Welche Farbe ist welche Uhrzeit?“
Einstellung Segmente, danach detailliert
Wenn die Uhr mit „einfach“ und ihren Farben vertraut geworden ist, geht es weiter in den Modus „Segmente“. Zwischen den Stunden erscheinen Trennlinien, und die „eine Stunde“ wird als Block sichtbar. Für Erwachsene sieht sich kaum etwas verändert; für Kinder ist die „Einzelstufe“ ein großer, spürbarer Schritt.
Dann kommt der Moment für „detailliert“. Am Rand klappt die Minutenskala 1–60 heraus – die Minutenanzeige zeigt sich. Hier möchten wir diesen einen Satz mitgeben:
「Der kleine Zeiger zeigt auf nahe Zahlen. Der große Zeiger ist lang – also reicht er bis weit.」
Die Rollen der beiden Zeiger tragen ihre Namen schon in sich. In dem Moment, in dem dieser Satz klick macht, macht das Kind große Augen und sagt: „Ach so.“ Von da an beginnt das eigentliche Uhrenlernen.
Gespräch zwischen Eltern und Kind
„Der große Zeiger – auf welcher Zahl ist er?“
„…30!“
„Genau. Der kleine ist gerade ein Stück nach der 9. Also ist es jetzt 9:30.“
Kurz gesagt: Die Minuten lernen sich am besten zuerst in Fünferschritten: 5, 10, 15… gemeinsam mit dem Finger nachzeigen – bis 10er sind so schon nach kurzer Zeit drin.
Einstellung Auto-Rotation AN (in jedem Modus)
Normalerweise bewegt sich eine Uhr, wenn überhaupt, gerade noch wahrnehmbar. Für Kinder ist sie nahezu „stillstehend“. Die „Auto-Rotation“ rafft einen Tag auf rund 24 Sekunden zusammen und dreht die Zeiger entsprechend schnell. Der Hintergrund wechselt mit: Morgenrot → Tag → Abendrot → Nachthimmel.
Den einen Moment dabei darf man auf keinen Fall verpassen. Die Sonne steigt langsam von links unten aus dem Uhrenrand auf. Mit einem „Schau, da geht die Sonne auf…“ wird das, was sonst unsichtbar ist – der „Lauf der Zeit“ –, endlich sichtbar.
Eine kleine Geschichte
„Wenn der kleine Zeiger die 18 passiert, kommt der Mond.“ Eine solche kleine Vorankündigung im Hinterkopf verwandelt die Zeit ums Abend herum in ein „So geht die Geschichte weiter“.
Gespräch zwischen Eltern und Kind
„Die Sonne – von welcher Seite kam sie?“
„Von hier!“
„Genau, von unten am Himmel. …Und in welche Richtung zieht sie jetzt?“
„Da lang!“
„Das ist die Richtung der Uhr. Man nennt sie: im Uhrzeigersinn.“
Kurz gesagt: In diesem Modus wird auch klar: „Die Uhr dreht sich niemals rückwärts.“ So sehr man es versucht – zurück geht es nicht. Genauso wie die Zeit selbst.
Einstellung Langes Drücken auf das AM/PM-Badge als Vorschau
Drückt man lange auf die AM- oder PM-Badge, drehen sich Vormittag und Nachmittag kurzerhand um.
7 Uhr morgens und 7 Uhr abends. Dieselbe Zahl „7 Uhr“ – und doch sind das Licht draußen, die Himmelsfarbe und das, was man zu Hause gerade macht, völlig verschieden. Es gab also nicht nur ein einziges 7 Uhr.
Die Tatsache, dass „ein und dieselbe Zahl zweimal vorkommt“, ist für Erwachsene so selbstverständlich, dass sie sie kaum erklären. Für Kinder ist sie eine Entdeckung. Das Umspringen der Landschaft beim langen Drücken erzählt es besser als Worte.
Gespräch zwischen Eltern und Kind
„Jetzt ist 7 Uhr morgens. Was machen wir da?“
„Zähne putzen!“
„Und das andere 7 Uhr?“
„…Abend?“
„Genau, 7 Uhr abends. So nach dem Abendessen.“
Kurz gesagt: Am schnellsten geht es, wenn Uhrzeit und Alltagsereignisse verknüpft werden. Zum Beispiel „Frühstück = Blau / Abendessen = Rosa“ – Farbe und Ereignis als Paar.
Einstellung freie Drehung × zusammenlegen / auftrennen
Im Modus „freie Drehung“ erscheinen zwei weitere Buttons: „zusammenlegen“ und „auftrennen“.
Mit „zusammenlegen“ liegen AM und PM auf einem einzigen Zifferblatt – genau die Form, die von der Wand jedes Lokals und jeder Küche bekannt ist.
Mit „auftrennen“ erscheinen Vormittag und Nachmittag wieder getrennt als zwei Zifferblätter.
Ein paarmal zwischen beiden hin- und herwechseln – und plötzlich wird sichtbar, was eine normale Uhr die ganze Zeit im Stillen gemacht hat.
「Eine normale Uhr faltet 24 Stunden auf 12 zusammen.」
Diese „Faltkante“ war für Kinder einfach bisher unsichtbar. Ist sie einmal sichtbar, verliert auch die Uhr am Bahnhof oder Rathaus ihren Schrecken.
Gespräch zwischen Eltern und Kind
„Was passiert, wenn man ‚zusammenlegen‘ drückt?“
„Sie wird klein!“
„Genau – so sieht die Uhr zuhause aus. Und beim Auftrennen klappt das Innere auf, so – ploff!“
Kurz gesagt: „Eine Analoguhr ist eine verkürzte 24-Stunden-Uhr“ – diese Tatsache lässt sich hier nicht theoretisch, sondern mit der Hand zeigen. Das kann wirklich nur EduClock.
Einstellung freie Drehung × Zufall
Mit dem Button „Zufall“ werden aus dem wachen Teil des Tages – von 6 Uhr morgens bis 9 Uhr abends – zufällige Uhrzeiten im 15-Minuten-Raster gestellt. Nur die Zeiger bewegen sich; Ziffern der Uhrzeit selbst sieht man nicht.
Die Eltern fragen „Wie spät?“, das Kind antwortet. Ein ganz einfaches Quiz.
Ob richtig oder nicht – beides ist gut. „Farbe getroffen“, „ungefähr getroffen“, „genau getroffen“ – auf welcher Stufe auch geantwortet wird, zeigt sich sofort, wo das Kind gerade steht.
Rollen tauschen – noch lustiger
Es lohnt sich wirklich, wenn Eltern auch mal die Antwortenden sind. Mit ernster Miene bewusst falsch antworten: „Äh… Viertel nach 4?“ – und das Kind ruft stolz: „Nein! Viertel nach 3!“ Danach ist die Uhr erst einmal bester Freund.
Gespräch zwischen Eltern und Kind
„Also, Frage eins: Wie spät ist es?“
„Ein Stück nach Rot, großer Zeiger auf 15… Viertel nach 1!“
„Richtig! …Und Frage zwei? Die wird schwerer, pass auf.“
Kurz gesagt: Auch wenn das Kind falsch liegt, unbedingt „knapp daneben!“ sagen. Die richtige Antwort wird bis zur nächsten Frage leise über die Farbe mit erinnert.
Die Uhr wird nicht in einem oder zwei Tagen gelernt. Aber irgendwann in den nächsten fünf Jahren wird sie mit Sicherheit gelesen. Wenn die Eltern in Eile kommen, macht das meist einen Umweg daraus. Ruhig sagen: „Heute ist eben nicht der Tag“ – und aufhören.
„Wenn’s blau ist, gehen wir los.“ „Wenn’s rosa ist, Zähne putzen.“ Verknüpft man Tagesabschnitte mit Farben, wird aus der App leise etwas anderes als ein Lernspielzeug: der Rhythmus des Zuhauses selbst.
Auf den Startbildschirm legen, und EduClock startet im Vollbild. Ein nicht mehr genutztes Tablet einfach aufstellen – schon habt ihr eine farbige Wanduhr. Der Zustand „Zu Hause hängt eine farbige Uhr“ wirkt viel stärker als jede gezielte Übungsstunde.
Als ersten Schritt reicht das „Blau“ aus Schritt 01 schon völlig.
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